.
St. Jakobus Gielsdorf 1980/ Teil 1
Von der mittelalterlichen Burgkapelle zur heutigen Pfarrkirche


Im uralten Ortskern, wo man beim Bau der neuen Kirche 1879 Reste römischer Besiedlung fand, stand westlich an den Turm angelehnt das Herrschaftsgebäude der mittelalterlichen Burganlage. Von diesem Herrschaftsgebäude wurden im vorigen Jahrhundert nur noch unwesentliche Fundamentreste gefunden, aber Turm und Kapelle der Burg sind bis in unsere Zeit als Bestandteile unserer Pfarrkirche erhalten. Die Kapelle Entstand, nach Vergleichen und Einordnungen von Kunsthistorikern, im 11. Jahrhundert.




Wahrscheinlich war die Tochter des Pfalzgrafen Ezzo und Polenkönigin Richezza die Erbauerin der Gielsdorfer Burgkapelle.
Der Bedeutungswechsel von der reinen Burgkapelle zur Kapelle der Kirchengemeinde wurde durch eine adelige Stiftung im 13. Jahrhundert ermöglicht. Im 13. Jh. besaß nämlich Heinrich von Sayn das Dorf Gielsdorf als Lehen Kurkölns. Nach seinem Tode (1247) blieb seine Frau Mechtildis von Sayn vorläufig im Besitz der Herrschaft Gielsdorf.




Erst durch ihr Testament im Jahre 1280 gelangte der wesentliche Teil ihrer Herrschaft gegen die Zahlung einer Leibrente an das Domkapitel von Köln.
Aus einer notariellen Niederschrift von 1680 geht hervor, daß die Kapelle nach dem Tode der Gräfin (1283) in den Besitz der Gemeinde Gielsdorf gelangte. Die Gielsdorfer Kapelle, in der nun regelmäßig Messen durch die Lessenicher Pastöre gelesen wurden, mußte im 15. Jahrhundert erweitert werden.

Hierzu ersetzte man um 1492 eine an der Ostseite der Kapelle ur- sprünglich vorhandene romanische Apsis durch den heute noch erhal- tenen spätgotischen Chor.
Bei der Kapellenerweiterung ent- standen auch die Wandgemälde, die das älteste Zeugnis unserer Schutz- patronin Margaretha darstellen.
Fast genauso weit zurück kann man den Heiligen Jakobus als Schutz- patron der Gielsdorfer Kapelle nach- weisen. Eine Darstellung des Heiligen befindet sich nämlich auf dem Siegel der Geschworenen von Gielsdorf, das der Urkunde von 1528 über den Verkauf des damals im
Besitz des Hermann Jobben befind-
lichen Blechguts anhängt.





Der Turm der Kapelle, der bis ins vorige Jahrhundert der Zivilgemeinde gehörte, diente früher als Gefängnis. In der Westmauer des Turmes neben dem heutigen Eingang befand sich eine Nische, die den Gielsdorfer Schöffen als Aufbewahrungsort für wichtige Urkunden und Schriften diente (Schöffenschrank).








Im Laufe des 17. Jh. wurden weitere Veränderungen an Langhaus und Turm der Kapelle durchgeführt.
Zunächst ließ man 1662 die Kapelle mit den am unteren Teil des Turmes heute noch sichtbaren Hausteinen belegen, 1671 kamen durch Stiftungen der Gemeinde Gielsdorf zwei Altäre in die Kapelle und 1682 wurde das Innere erneut umgestaltet.
Die Fenster im neueren Chorbereich wurden vergrößert und ein neuer Zugang zur nördlich an die Kapelle angelehnten Sakristei wurde geschaffen. Hierbei wurden Einzelbilder der Fresken ganz oder teilweise zerstört. Schon vor Mitte des 19. Jahr- hunderts stellte sich heraus, daß die Kapelle zu klein geworden war, um alle Gläubigen aufnehmen zu können.

Deshalb wurde der Pfarrgemeinde Lessenich 1848 ein Plan zur Erweiterug der Kapelle vorgelegt, zu dessen Verwirklichung allerdings noch die finan- ziellen Mittel fehlten.
Das fehlende Geld sollte durch freiwillige Spenden zusammengetragen werden.
Durch den Dechant Bierbaum wurden erneut Erweiterungspläne vorgelegt:
Nach Plan A sollte hinter dem Turm der Kapellen- raum um 80 Fuß verlängert werden. Plan B und C sahen eine Verbreiterung des Langhauses vor, und zwar druch die Anfügung von zwei weiteren Schiffen, bzw. durch Versetzen der Außenwände.
Es folgte darauf eine briefliche Korrespondenz zwischen dem Kirchenvorstand von Lessenich, dem Generalvikariat, dem Bügermeister Karth aus Oedekoven, dem Oberpfarrer Münch aus Lessenich und der Kapellengemeinde Gielsdorf.
In einem Schreiben des erzbischöflichen General- vikariats wurde Plan A für ungeeignet erklärt, da er "den Regeln der Kirchenbaukunst" und den "Anfor- derungen des katholischen Gottesdienstes zu wider" war.


Da die Außenwände des Langhauses zu instabil erschienen und Plan C den Vorstellungen der Gielsdorfer widersprach, wurden auch die Entwürfe B und C abgelehnt.
1869 sollte die Erneuerung der Dachbalken des Turmes durchgeführt werden, jedoch der Geneh- migungsantrag wurde am 19. Juli desselben Jahres abgelehnt.
Bei den schließlich 1870 ausgeführten Arbeiten mußte man feststellen, daß das obere Gemäuer völlig verwittert war und den neuen Dachstuhl kaum tragen würde.
Nachdem die Glockenstube ohne Bedachung, auf Grund der fehlenden Genehmigung, längere Zeit dem Regen ausgesetzt war, konnten die Arbeiten am Turm im Oktober 1870 endlich beendet werden.

...weiter mit Teil 2


Seitenanfang von Teil 1              Startseite Alfter-Online